Der junge Sean Connery war Sargpolierer und Bodybuilder
Coole Bond-Pose: Sean Connery in «Man lebt nur zweimal» (1966). (Bild: Keystone)
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Sean Connery mit Murray Grigor: «Being a Scot», Weidenfeld & Nicolson, The Orion Publishing Group; 300 Seiten.
Deutschsprachiges Publikationsdatum noch noch nicht bekannt.
Mit seiner Autobiografie enttäuscht er Bond-Fans auf der Suche nach Enthüllungen. Dafür entzückt Connery mit «Being a Scot» sicherlich die Tourismusbehörden seiner Heimat. Das Werk liest sich eher wie ein ausführlicher Kulturreiseführer für Schottland-Freunde als die Lebensgeschichte eines Superstars.
Seinen Werdegang reisst Connery nur in den ersten Kapiteln an, die sowohl seine Kindheit in Edinburgh in ärmsten Verhältnissen als auch seinen «Aufstieg» zum Milchjungen mit eigenem Pferdekarren beschreiben: «Ein Pferd nur für mich. MICH! Ich konnte es nicht fassen», schreibt der heutige Multimillionär Connery.
Anschliessend jobbte der noch unentdeckte Star als Sargpolierer und Aktmodell, versuchte es als muskelbepackter Mr. Universe («ich habe nie einen Preis gewonnen») sowie als Matrose mit «Mum and Dad»-Tattoo und träumte von einem Leben als Fussballer.
Voltaire und Burgruinen
«Ich wollte arbeiten, Geld verdienen und Fussball spielen», schreibt Connery: «Ich hatte keine Ambitionen, Schauspieler zu werden - es waren nur das Geld und der Spass, die mich süchtig machten.»
Um als Schauspieler erfolgreich zu werden, griff er zu Büchern und verschlang sie reihenweise - erstaunlich, dass er mit 13 von der Schule abgegangen war. «Ich erinnere mich, dass ich mich fragte, wie man einen intelligenten Menschen spielen kann, wenn man dumm ist», erklärt Connery.
Fortan beweist er in langatmigen Kapiteln, dass er genau das nicht ist: Er zitiert Shakespeare, Voltaire und Dante, bespricht schottische Bauwerke so kenntnisreich wie ein Architekturkritiker und handelt die Geschichte schottischer Ruinen ab.
Schottenlob statt Sex
Wer dabei nach Schmankerln aus den beiden Ehen des Stars fahndet, wird kaum fündig. Nicht nur der Sex- auch der Agentenfaktor kommt bei all den schottischen Liebeserklärungen etwas zu kurz. Ganze 150 Seiten muss der 007-Fan durchhalten, bis das Zauberwort «Bond» fällt.
Allerdings nur nebenbei, wenn Connery erzählt, dass ihn der Film «The Hill» im Jahre 1965 aus einer gewissen «Bond-Müdigkeit» gerettet hat. Gegen Ende des Buches bezieht er sich dann nochmals auf die Agentenrolle: Diese habe ihm schliesslich das Golfspiel nahe gebracht, das er seit «Goldfinger» leidenschaftlich betreibt.
Wenige Zeilen später ist Connery allerdings schon dabei, den schottischen Ursprung des Elefantenpolos zu belegen. Connery versucht, der Welt über 300 Seiten zu beweisen, dass seine Landsmänner die Urväter unzähliger Wunderwerke sind.
Überzeugter Patriot
Es wirkt, als wolle der Schauspieler mit dem Werk, das er zusammen mit dem Filmemacher Murray Grigor geschrieben hat, beweisen, dass er die Identifikation mit seiner Rolle als Bond satt hat. Stattdessen präsentiert er sich nicht nur als Experte in schottischer Geschichte sondern vor allem als Patriot.
Schliesslich brennt Connerys Herz für seine Heimat - nicht umsonst engagiert er sich seit Jahren für die Schottische Nationalpartei, die die Unabhängigkeit Schottlands von Grossbritannien anstrebt. Als König würde der Ex-Bond wahrscheinlich keine schlechte Figur machen. (Annette Reuther, dpa/sda)
Erstellt: 26.08.2008, 08:29 Uhr
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