Schweizer fühlen sich von deutschen Pfarrern «schikaniert»

Von Claudio Habicht. Aktualisiert am 20.11.2008

Die Schweiz ist nicht nur für deutsche Ärzte, Architekten und Ingenieure attraktiv. Auch katholische Seelsorger strömen aus dem Norden ins Land. Viele Gläubige und Kirchenangestellte fühlen sich überrannt.

Messen, Beichten, Taufen: Ohne Personal aus dem Ausland läuft in der Katholischen Kirche nichts.

Messen, Beichten, Taufen: Ohne Personal aus dem Ausland läuft in der Katholischen Kirche nichts.
Bild: Keystone


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Die Katholische Kirche beschäftigt 1700 Priester in der Schweiz, davon sind rund 220 Ausländer. Die Zahlen stammen aus der Kirchenstatistik 2005. Zudem arbeiteten zusätzlich 560 Pastoralassistenten, theologische Laienpriester, in den Kirchen. Neuere Zahlen – sowie Zahlen aufgeschlüsselt nach Nationalität – sind nicht für die ganze Schweiz erhältlich.

Die Schweizerische Bischofskonferenz sowie das Bistum St. Gallen bestätigten jedoch gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz, dass viele der ausländischen Seelsorger Deutsche seien. Im Kanton Zürich zum Beispiel sind von 71 Priestern fünf Deutsche. Und bei den Pastoralassistenten kommen 54 von 92 aus Deutschland.

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In der katholischen Kirche gärt es. Grund: Die Zuwanderung von Seelsorgern aus Deutschland. Andrea Gisler von der kircheneigenen Personalombudsstelle im Kanton Zürich: «Viele deutsche Seelsorger arbeiten hier. Das führt gehäuft zu Konflikten», bestätigt sie auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz. So beklagten sich Mitarbeiter in mehreren Fällen über die Art und Weise, wie deutsche Seelsorger mit ihnen sprächen. «Sie fühlen sich wehrlos und schikaniert.» Gisler betont, es handle sich in erster Linie um ein Kommunikationsproblem, das man lösen müsse.

Mentalitätsunterschiede

Auch viele Gläubige haben Mühe mit Seelsorgern aus Deutschland. «Es löst bei den Schweizern Unbehagen aus, wenn die Seelsorge fest in deutscher Hand ist», sagt Thomas Englberger vom Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut in St. Gallen. Er – selber Deutscher – sieht den Grund in den Mentalitätsunterschieden. In der Schweiz käme es nicht gut an, wenn ein Seelsorger meine, alle Entscheide allein treffen zu können. «Hier werden diese mit Pfarreiräten und Kirchenverwaltungen rückgesprochen.»

Laut Englberger liegen die Konflikte zwischen den deutschen Seelsorgern und ihren Schweizer Schäfchen oft in der unterschiedlich ausgeprägten «Obrigkeitsgläubigkeit». Denn in Deutschland stellt der Bischof die Seelsorger an, das Kirchenvolk wird nicht einbezogen. In der Schweiz ist es anders: Hier werden die Seelsorger von den Kirchgemeinden angestellt. «In Deutschland darf man es sich nicht mit dem Bistum verderben, in der Schweiz nicht mit den Gremien und Menschen vor Ort.»

Zustrom wird anhalten

Dass künftig weniger Seelsorger aus Deutschland in die Schweiz kommen werden, ist nicht zu erwarten. Die katholische Kirche ist auf Personal aus dem Ausland angewiesen, da es zu wenig Schweizer gibt, die in der Kirche arbeiten wollen. Englberger glaubt jedoch, dass bei den meisten deutschen Seelsorgern der Wille da ist, sich auf die Schweiz einzulassen. «Mit der Zeit lernen auch die Deutschen, die Eigenart der Schweizer Kirche zu schätzen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Erstellt: 20.11.2008, 19:25 Uhr

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